Reader: Ich kauf mir was.

Wednesday, November 11, 2009

Ich kauf mir was.


Wo das Geld wohnt. Nirgendwo wird einem diese Tatsache so bewusst vor Augen geführt, wie auf Flohmärkten in sogenannten besseren Lagen. Unglaublich, was da so auf den Tapeziertischen steht und auf den zahllosen Kleiderständern hängt. Für Schnäppchenjäger ist das natürlich ein spannendes Pflaster, denn Frau Gucc.i und Herr Ralph L.auren sind froh, ihren Plunder los zu werden und wieder Platz im Kleiderschrank/Keller/Dachboden zu haben. Die Preise sind eher moderat.

Frau Hamburger Liebe hat heute mal frei bekommen und durfte ganz alleine nach E-dorf fahren, mit ein bisschen Barem in der Tasche und großer Lust auf Schnäppchenjagen. Es war kalt, bunt und schrill, es gab kuriose Dinge (wie den Schweinchenaschenbecher), jede Menge Secondhand Haute Couture für groß und klein, vergoldete Stehrumchen, teure Geschmacksverirrungen und viel zu viele Menschen.

Ich dachte, die Party wäre schon fast gelaufen, als ich erst um 11 Uhr aus dem nigelnagelneuen Parkhaus unter dem Ex-Karstadt-Platz Eppendorfer Boden betrat, aber der gemeine Eppendorfer trinkt samstags morgens erst mal in Ruhe seinen Cafe Latte, bevor er sich anschickt, den Inhalt seiner Kisten auszubreiten. Gleich ganz am Anfang bin ich bei einer typischen Mutti hängen geblieben, der bei jeder Preisauskunft beinahe die Tränen gekommen wären, weil das gute Stück ja soooo teuer war und es die Lillyf.ee-Tochter nur eeiiiinmal anhatte, weil sie viiiel lieber rosa trägt/sooo schnell rausgewachsen war/sooo viele andere Sachen im Schrank hatte. Gut für mich.

Obwohl ich dieses reizende Tütü-Kostüm für schmales Geld erworben habe, war mir klar, dass mein kleines Ding keine Lillyf.ee ist und entsprechend hat sie meine Trophäe zu Hause ignoriert. Aber vielleicht kommt das ja noch, es schadet ja kaum, wenn man auch Rüschchentütüs im Schrank hat.


Bei der Jacke war das anders. Für eine Flohmarktjacke habe ich vergleichsweise viel Geld gelassen. Stolze zwanzig Steine. Aaaaber! Ich musste die einfach haben. Ich weiß wo sie her ist. Und ich sehe mich noch heute vor dem Schaufenster stehen, die Jacke bewundern und mich fragen, wie bekloppt man eigentlich sein muss, um seinem Kleinkind eine Jacke für zweihundertneununddreißig (!) Euro zu kaufen. Ich weiß nicht, ob die Dame, der ich das gute Stück abgekauft habe, wirklich bekloppt war. Zumindest hat sie wohl ein ziemlich entspanntes Budget. Denn auch sie musste die Jacke unbedingt haben, obwohl sie ihrer Tochter wohl schon fast zu klein war. Und – ha! Dieses Kunstwerk ist wie gemacht für meinen kleinen Rebell. Passt ihr wie auf den Leib geschnitten und das bunte Zeugs da drauf findet sie prima. Alle glücklich.

Mein Favorit ist der Superheld, den ich einem Herrn fortgeschrittenen Alters für kleines Geld abgekauft habe. Der mir stolz erzählte, wie er den damals aus Amerika mitgebracht hat und ihn alle beneidet haben. Wann das genau war konnte er nicht mehr genau sagen, aber Superman ist wie sein ehemaliger Besitzer auch schon etwas in die Jahre gekommen. Seine Frau war jedenfalls froh, dass der Staubfänger endlich wegkommt.

Dann gibt es auch noch Menschen, die es zwar toll finden, Balast loszuwerden, Flohmarkt aber doof finden und ihren Kram dann einfach auf die Straße stellen mit einem Zettel dran. Zum Mitnehmen. So bin ich zufällig über ein paar Kartons mit Büchern, Bildbänden und Romanen gestolpert, in denen ich unter anderem einen echten Schatz gefunden habe. Ein umfassendes Typografie-Verzeichnis, ein dicker Wälzer mit unzähligen Schriftarten und -schnitten, Beispielen und Suchoptionen. Für lau. Hach, Flohmarkt kann so schön sein.

Morgen gibt's in Suburbia einen Flohmarkt. Ich bin gespannt, was ich da so finden werde.

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