Bevor der goldene Oktober dem ungeliebten trüb-grauen November das Feld räumt, zeigt er sich heute im Norden noch mal von seiner allerschönsten Seite. Die letzten Tag habe ich schon immer mit Wehmut durch einen Sprühregenschleier oder Dunstvorhang auf die traumhaft schöne Herbstfärbung geblickt und mir nur noch ein paar kleine Sonnenstrahlen gewünscht, die das Schauspiel ins rechte Licht hätten rücken können. In ein paar Tagen oder nach einem ordentlichen Herbststurm ist das Spektakel vorbei und wir können uns bodennah durch gigantische Laubhaufen kämpfen.
Bevor ich allerdings die Plastiksäcke bereit lege, bin ich auf anraten meines Ausflugberaters (Liebster, was glaubst du eigentlich, was ich den ganzen Tag so mache...?) zum Ohlsdorfer Friedhof gefahren und habe einen wunderschönen Spaziergang gemacht. Also, fast. Ich musste heute früh zum Hauptzollamt in Hammerbrook, meine letzte Stoffbestellung abholen (das ist aber eine andere Geschichte). Da das sowieso schon ein Tagesausflug ist (und dummerweise auch noch Stoff Mahler quasi dort um die Ecke ist, aber auch das ist eine andere Geschichte), dachte ich mir jetzt oder nie und bin kurzerhand zum Friedhof gefahren.
Ich mag ja Friedhöfe sehr gern, für mich sind sie keinesfalls nur mit Trauer und Schwermut behaftet. Sie bedeuten für mich Orte der Ruhe und Besinnlichkeit, der Unendlichkeit und einen Ort der inneren Einkehr von der Hektik des Alltags. Schon während meiner Schulzeit habe ich mir als „Aushilfs-Friedhofs-Junggärtnerin“ mein Taschengeld aufgebessert und bin freitags nach der Schule und Samstag vormittags auf den kleinen, sehr hübschen Friedhof in unserem Stadtteil gegangen, habe in der Pflanzzeit Gräber bepflanzt und den lieben langen Herbst Reihe um Reihe um Reihe Laub geharkt. Und habe mit künstlerischem Auge die wunderschönen Skulpturen auf den Gräbern bewundert, von denen heute leider die meisten verschwunden sind. Und habe mir immer versucht vorzustellen, was das wohl für Menschen waren, die da ihre letzte Ruhe gefunden haben. Auch auf Reisen habe ich immer wieder Friedhöfe besucht, z.B. in Paris Père Lachaise oder den unheimlich faszinierenden alten Teil des Highgate Cemetery in London – einer der schönsten Friedhöfe, die ich je besucht habe.
Der Ohlsdorfer Friedhof (der übrigens größte Parkfriedhof Europas) gleicht im Moment einem Meer aus goldorangenen Farbtönen. Das Laub raschelt einem unter den Füßen und über einem spielen übermütige Eichhörnchen im goldenen Sonnenlich in den Wipfeln der uralten Buchen Fangen.





Begleiten Sie mich auf einen schönen Herbstspaziergang – mitten in Hamburg und doch wie in einer anderen Welt. Und vergessen Sie, dass es ab Sonntag schon wieder regnen soll. Hier geht's lang!
29.10.09
Sneak Preview
Demnächst wird es hier ausnahmsweise mal jede Menge Rosa, Glitzer und Schnickeldi für coole Mädchen geben. Das wird sehr aufregend. Aber sowas von. Stay tuned!

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