Reader: Der geheime Garten

Tuesday, November 10, 2009

Der geheime Garten

Es geht mir blendend. Also, bis auf die Tatsache, dass mir ungefähr jede Faser meines Körpers schmerzt, mein Hals mehr als nur kratzt, ich letzte Nacht – warum auch immer – kein Auge zugetan habe und ich seit ca. zwei Wochen wegen kranken Kinder nicht mehr richtig gearbeitet habe, geht es mir blendend. Ich meine, bei dem Wetter! Schauen Sie doch nur mal aus dem Fenster!

Gestern, als das kranke Hühnchen immer noch nicht richtig fit war und ich es leid war, wieder völlig entnervt zu versuchen mit einem jammernden Bündel am Hosenbein Hausarbeit zu erledigen, haben wir uns kurzerhand ins Auto gesetzt und einen Ausflug gemacht. Eigentlich wollte wir nur einen Kürbis kaufen und ich habe mir so romantisch-naiv vorgestellt, dass wir einfach nur über die Stadtgrenze ins ländliche Schleswig-Holstein fahren müssten und die Straßen der Dörfer quasi mit Kürbiskarren gesäumt wären. Pustekuchen. Kein einziger Kürbiskarren, aussterbende Landwirtschaft, Bauernmangel, Landflucht. Aber was da sonst so am Straßenrand zu sehen war, romantisch-naiv beleuchtet von der güldenen Herbstsonne, war nicht minder attraktiv und so habe ich wenigstens mal die Umgebung vor den Toren der Hansestadt ein wenig erkundet und dabei einen echten Place to go gefunden: den barocken Schloßpark von Gut Jersbek. Wir sind da schon unzählige Male daran vorbei gefahren, aber kein Schild, kein Wegweiser lässt dieses Schätzchen erahnen. Das Gut, das Torhaus und die Nebengebäude sind in privater Hand, so dass man sie leider nicht besichtigen kann, aber wir haben uns unauffällig ein bisschen herumgeschlichen und ich kam mir vor wie in einer anderen Zeit.

Das Lustwandeln im Barockgarten ist leider eher kurz ausgefallen. Merke: nehme IMMER einen Buggy mit, wenn du mit einem lauffaulen, angeschlagenen Kleinkind unterwegs bist, wenn du dir danach einen Besuch beim Orthopäden ersparen willst.

Obwohl wir durch unzählige Dörfer, breite Alleen und an weitläufiger Flur vorbeigefahren sind, waren Kürbisse absolut Fehlanzeige. Fündig wurden wir erst beim uns wohlbekannten Biohof, konnten Kälbchen und Schweinchen, Schäfchen und Hühnchen noch flink guten Tag sagen und mit zwei stattlichen „Jack'o'lanterns” und einem Butternut-Kürbis wieder von Dannen ziehen.


Heute allerdings – obwohl es mir angesichts des güldenen Herbstwetters ja so blendend geht – heute wünsche ich mich einfach nur ins Bett.

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